Vom Rappen, Ruhrgebiet und Ruhm

Unser Ruhrpott: Das ist nicht nur Industrie gepaart mit Charme. Oder individuelle Cafés, spannende Mode und ehrliche Menschen. Der Pott bringt auch einige Musiker hervor, die genau durch ihre offene und bodenständige Art zum Erfolg gekommen sind. Da wären Fard und Snaga, Manuellsen oder auch Majoe. Und ihr merkt schon (und wenn nicht, sagen wir’s euch jetzt): Is‘ ja alles HipHop! Gaaanz genau. Denn Ruhrgebiet is‘ oft auch mit Straße und „realness“ verbunden. Was bietet sich da mehr an als schonungslos ehrliche Sprachgesänge? Wir haben uns jetzt mal eins der noch unbekannteren Talente geschnappt und mit ihm über den Pott und das Musik-Business gesprochen. „Idatic“ ist Rapper, lebt in Duisburg und hat seit einigen Jahren ein Studio in Dinslaken. Zusammen mit den „Doodloops“, wie sich der Zusammenschluss aus Rappern und Produzenten nennt, macht er Musik und tritt live im Ruhrgebiet und Umgebung auf. Anders als andere Musiker hebt er seine „Hood“ aber nicht so wirklich hervor. Aber ach, lest doch selbst.

sophia ruhrgebiet sPOTTlight Musik Gastbeitrag
Sophia zeigt uns, was der Ruhrpott rhythmisch so drauf hat und spricht mit Musikern aus der Region. Ihre Gastreihe „Ruhrgebiets-Rhythmus“ lest ihr ab jetzt regelmäßig.

sPOTTlight: Wie bist du zum Rap gekommen und wann hast du selbst damit angefangen?

Idatic: Ich habe in der Grundschule angefangen, Rapmusik zu hören. Genau erinnere ich mich nicht mehr, wodurch es kam, es war einfach irgendwann da. Früher die Sachen aus Berlin, die frühen Kool Savas-Alben, hatte die Schwester eines Bekannten. Angefangen selbst zu rappen hab‘ ich ein paar Jahre später, in der sechsten oder siebten Klasse, bis dahin war ich auch noch gut in der Schule,(lacht) – danach nicht mehr. Ich erinnere mich noch an den ersten Track, den ich geschrieben habe, das war ein „Rundumschlag-Disstrack des Grauens“, der die Rapszene zerstören sollte. Der Beweggrund, warum ich das erste Mal einen Text geschrieben habe, war Hass auf andere Menschen, was heute nicht anders ist, ehrlich gesagt.

Das merkt man auch an einigen deiner Tracks. Wie viel hast du seitdem denn veröffentlicht?

Sieben Projekte. Mit 14 das erste Mixtape, dann mit 16 ein Album. Mit 18 das zweite Album, bis jetzt kamen noch fünf dazu. Ich finde aber, man sollte die Sachen vergessen, außer „Ist das Kunst oder kann das weg“, „Essence“, „Unter die Haut“, „Zweitausendblack“ und „Ruffnexx“, mein letztes Album. Jetzt kommt bald ein neues Projekt, das ich zusammen mit meinem DJ Illtec gemacht habe.

Auf welchen Plattformen hast du die Sachen veröffentlicht?

Bis jetzt wird alles auf Facebook angeworben und ist dann zum kostenlosen Download erhältlich. Also noch recht am Anfang.

Wie kamst du denn überhaupt auf den Namen „Idatic“?

Oh Gott, ich hasse den Namen, aber ich kann den nicht mehr ändern. Es gibt ein deutsches Wort „Eidetik“. Eidetiker sind Menschen, die sich Dinge gut bildlich vorstellen können. Ich habe mit gedacht, dass wenn man Rapper ist, verbildlicht man mit Worten Dinge und dann würde das gut passen. Weil „Eidetik“ aber nicht cool klingt, habe ich einfach „Idatic“ daraus gemacht.

Wie ist es mit Live-Shows? Trittst du gerne live auf und kann man dich demnächst live sehen?

Ich liebe Live-Auftritte, wie wohl jeder Artist. Wir spielen aber viel zu wenig live. Ich finde, es gibt auch insgesamt zu wenig Veranstaltungen im Ruhrgebiet. Die nächsten Termine sind am 25. April im Skatersplace in Münster, auf der Jamsession vom Out4fame im Sommer, am 30. Mai spiele ich in Mühlheim und am 6. Juni ist ein Jam in Duisburg mit Witten Untouchable. Mein krassester Auftritt war aber definitiv auf dem „Openin‘ Festival“ letztes Jahr.

Wie siehst du die HipHop-Szene in Deutschland insgesamt? Hörst du überhaupt viel Deutschrap und liest du Magazine oder Webseiten?

Ja, ich feier Deutschrap! Ich höre mir auch einiges an. Zum Beispiel höre ich gerne Kool Savas, Laas Unltd, Genetikk, auch Manuellsen mag ich, der ja auch aus dem Ruhrpott kommt. Ich kann mir gar kein Trap anhören auch keinen Gangsterrap, außer wenn das ein bisschen lustig ist wie Haftbefehl oder Ssio. Aber stumpfe Musik mag ich nicht. Und ja, ich lese ab und an die Juice, wenn mich oberflächlicherweise das Cover anspricht.

Wie das aktuelle Cover mit Genetikk?

Zum Beispiel das. Die würde ich mir holen. Ab und an lese ich mal die Backspin, aber ich hänge hauptsächlich auf HipHop.de, rap.de und 16Bars rum – nur nicht auf Rapupdate.

Idatic live 2.

Wie findest du es, dass immer mehr Genres innerhalb von Rap entstehen. Wie Cro, Marteria, Casper, die Rap irgendwie Radio-tauglich machen und wahnsinnig erfolgreich sind? Ist das gut für den HipHop?

Finde ich geil. Hör‘ ich nicht, aber finde ich gut. Ich glaube, diese Leute sind gut für HipHop. Marteria und Co. haben eine ältere Zielgruppe dazu geholt, die HipHop nicht mehr so weltfremd machen für Leute, die damit normalerweise nichts zu tun haben. Und selbst wenn Leute hoch in die Charts einsteigen, die ich nicht gut finde, ist das trotzdem gut für den HipHop.

Wie gut ist das Internet und die Entwicklung in dem Bereich für deine Musik-Richtung? In welche Richtung sich zum Beispiel Promotion und Beef unter den Musikern entwickeln.

Ich denke, es ist für den Künstler selbst schwerer, interessant zu bleiben, weil es so viel auf einem Haufen gibt. Und dadurch, dass man an manchen Künstlern so nah dran ist, wenn er z.B. ein Foto von seinem Frühstück postet und der andere nicht, dann hat der Andere klar einen Nachteil dadurch. Die Musik steht dadurch auch nicht mehr klar im Vordergrund. Beef ist wichtig, Rap ist Competition. Das war immer so. Ich finde aber künstlich erzeugte Sachen nicht gut, soziale Netzwerke für Streitereien zu nutzen, finde ich auch nicht gut. Wenn jemand aber einen guten Disstrack macht, ist das unterhaltsam und geil. Das Internet ist beides, Fluch und Segen.

Wie viel schwerer oder leichter ist es, heute bekannt zu werden und einen Plattenvertrag zu bekommen?

Ich glaube, seine Sachen an den Mann zu bringen, ist durch das Internet viel leichter, früher konnte man schließlich nur auf die Straße gehen und dort seine Platten verteilen. Da erreichen wir heute viel mehr Leute. Allerdings gibt es dadurch auch viel mehr Leute, die es versuchen. Wenn man aber gute Sachen macht, setzt man sich durch, glaub ich. Wenn dann bekanntere Leute anfangen, die Sachen zu teilen, wächst die Reichweite und man bekommt viel mehr Aufmerksamkeit. Allerdings kann man auch schnell wieder vergessen werden, da alles so schnelllebig ist. Wenn man ein Album veröffentlicht hat und die Chart-Position veröffentlicht ist, dann hören vielleicht noch Leute still und heimlich deine Musik, aber es gibt wieder tausend neue Releases und News, wer was gefrühstückt hat, so dass die Leute dich schnell vergessen können.

Vom deutschlandweiten Business zum Ruhrpott. Du bist hier aufgewachsen, richtig?

Genau, in Duisburg.

Wie erlebst du den Pott? Wie gerne hast du hier gelebt und lebst immer noch hier?

Ich habe noch nie woanders gelebt, deswegen kann ich nicht behaupten, dass es hier am geilsten ist. Ich denke aber, hier ist es am geilsten. Als ich mal in Berlin war, hatte ich den Eindruck, die Leute sind sehr anonym, es gibt so viele Menschen dort, man muss sich nicht verstecken, um alleine zu sein, man kann einfach in die Stadt gehen. Dadurch kommen die Leute einem kalt vor, man sagt nicht „Entschuldingung“, wenn man jemanden anrempelt und keiner beachtete einen. Hier ist es anders, ein bisschen wärmer. Ich behaupte, die Leute im Ruhrpott sind alle irgendwo gleich oder sie denken zumindest, sie sind gleich, weil hier eine gewisse Grundmentalität herrscht.

Spielt der Ruhrpott in deiner Musik eine Rolle?

Gar nicht. Zumindest nicht mehr, früher habe ich das ab und an mal erwähnt aber seit man im Rap so stolz auf seine Stadt ist, also seit dem das Trend geworden ist, nervt mich das und davon will ich kein Teil sein.

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Aufgepasst, jetzt wird es kurz und knapp. Wir starten unser „10 Fragen zu Pott und Fashion“-Special. Bereit? 1. Beschreibe die Menschen im Pott in drei Worten.

Launisch, entspannt und hilfsbereit.

2. Wie siehst du den Stil des typischen Ruhrgebietlers?

Die Älteren sind typisch im Unterhemd und Adiletten, die jüngeren sind Hipster in stilvoll.

3. Die beste Party oder das beste Konzert, was du je erlebt hast?

Kool Savas in der Tubinenhalle in Oberhausen letztens.

4. Was magst du nicht am Pott?

Abgaswolken vor der Sonne.

5. Der beste Platz/Location/Ort im Pott?

Der Landschaftspark.

6. Musik, die du mit dem Pott verbindest?

Vom Genre her Deutschrock, im HipHop aber auf jeden Fall Snaga und Pillath.

7. Beschreibe deinen Stil kurz und knapp.

Ich habe nicht so viele Klamotten und beschäftige mich wenig damit. Aber ich achte darauf, dass man sieht dass ich HipHop mag.

8. Dein aktuelles It-Piece?

Die Jordan sechser infrared.

9. Deine größte Modesünde?

Es gibt sehr viele. Ich hatte einen Vokuhila, an den Seiten kahl, oben hoch und im Nacken richtig lang und die linke Seite blond. Enge Klamotten mit Glitzersteinen und so weiter.

10. Der beste Schuh, den du je getragen hast?

Den sechser infrared.

6 thoughts on “Vom Rappen, Ruhrgebiet und Ruhm

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